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 Pflanzenwelt
 
 

Knoblauch

Allium sativum
Liliaceae - Liliengewächse

auch Chlobelouch, Gruserich, Knobel, Knoblich, Knoblech, Knoblecht, Knobleig, Knoflak, Knowlich, Knuflak, Look, Neidstern (ges. n. LOSCH, 157, SCHRÖDTER, 215, SIEG, 253), Kurzw. Knobi (neudt.).

Einer Legende nach wuchs Knoblauch dort, wo der Teufel nach seiner Vertreibung aus dem Paradies zuerst seinen linken Fuß hinsetzte, aus dem rechten Fußstapfen schossen Zwiebeln. (PICKERING, 105)

Allgemein bekannt ist der Knoblauch als ein Kraut, dessen Duft Dämonen abwehren soll.
In Zwerg- und Koboldsagen ist oft von dieser Abneigung die Rede (KUHN u. SCHWARTZ, SA. 10), in Serbien war es üblich, sich während der Fastenzeit zum Schutz vor den vjechtitza (Hexen) mit Knoblauch einzureiben (GRIMM Myth. Bd. II, S. 902). In der Gegend von Querfurt und Sangershausen heißt der Aschermittwoch Knoblichsmittwoch, was dem vorgenannten Brauch verwandt sei (KUHN u. SCHWARTZ, A. 10 u. Anm.).
Ketten aus Knoblauch, mit den Zwiebeln abgehängte Decken u. ä. sind daher gängige Ausstattung zeitgenössischer Vampir-Filme.
Bereits PLINIUS beobachtete, daß sich das Kraut schwarz färbt, wenn es länger an der Luft liegt. Daraus schloß er, daß der Knoblauch das Böse binde (SIEG, 253).

Nicht nur die widrigen, auch die hilfreichen Geister sollen einen Abscheu vor dem Knoblauch haben. Einem Bauern bei Ostende half einmal ein Nix. Der hieß Flexus, verrichtete seine Arbeit glänzend und brachte dem Haus Wohlstand. Einmal erlaubte sich die Magd, die dem Nix täglich seine Schüssel süße Milch bereitete, einen Scherz mit Flexus, indem sie in die Milch Knoblauch statt Zucker gab. Das stimmte den Nix verdrießlich:

„Milch und Lauch!?
Flexus zieht weg
Und das Glück auch!”

Woraufhin es mit dem Hof bergab ging (n. SIEG, 253).

Der von GRIMM als Zwergname mitgeteilte Titel „König Knoblauch” (Dt. Myth., 375) u. Sagen Nr. 490) ist daher als Spottname deutbar (KUHN u. SCHWARTZ, SA. 10).

Es heißt, der Knoblauch verderbe die Pflanzen seiner Nachbarschaft, weshalb man ihn auch „Neidstern” nennt. Einst sollen aus den Tränen der Maria die Marienblümchen (Gänseblümchen) entstanden sein. Das Kraut erboste den Teufel derartig, daß er neben jedes Marienblümchen eine Kralle warf, aus der dann der Neidstern entsproß. Alles Kraut in dessen Umkreis stirbt ab, einzig das Marienblümchen hält stand. (märkische Sage, n. SIEG, 253).

Rosen dagegen sollen die Nachbarschaft des Knoblauchs mögen: „Knoblauch neben den Rosensträuchern in den Gärten beysammen gezeuget machet die Rosen wohlriechender / darumb / daß der Knoblauch durch seine scharffe und eingepflanzte Hitze den Rosen eine Krafft und Stärcke gibt. Also in gemein was vor Kälte Schaden nimpt / das wird durch Hitze gestärcket und gebessert.” (LEVINUS LEMNIUS, Occulta naturae miracula (Frankfurt am Main 1672), Buch VI, cap. 27, n. SCHRÖDTER, 19)

Man soll Knoblauch in Obstbäume hängen, da das Vögel abschrecke, rät der Magisch-sympathetische Hausschatz, (141)

 

Knoblauch in Hausapotheke und Küche

Wie böse Geister oft als Auslöser von Krankheiten gesehen werden, so gilt ihr Feind, der Knoblauch, als ausgezeichnete Arznei, die Ansteckung abwehrt und Krankheit vertreibt. Auch viele Menschen verabscheuen seinen Geruch: „Man könnte die Völker (...) in zwei große Gruppen teilen, in die der allium-Verehrer und der allium-Hasser” (Viktor HAHN n. LOSCH, 19).

Zu Heilzwecken wird in August und September die Zwiebel gesammelt, woraus man Essenz, Extrakt, Öl, Tinktur oder Saft bereitet, wenn man nicht die Zwiebel im Rohzustand verwendet.

Solche Verordnungen empfiehlt die Kräutermedizin zur Förderung der Verdauung und des Harndrangs, besonders zur Senkung des Blutdrucks und zur Reinigung des Blutes.
Knoblauch nimmt man gegen Schlangen- und Hundebiß und als Kur gegen Würmer, er soll vor der Pest bewahren, beruhigen und Neigung zum Schlaf bringen. (LOSCH, 19)

Gegen den strengen Geruch und Geschmack des Knoblauchs wird Beigabe von Petersilie und Raute empfohlen. Oder man schneidet die Zehe in Scheiben, röstet sie in Butter hellbraun und belegt damit sein Brot. (SIEG, 255)

Aus der Gegend von Oberrittersgrün im Erzgebirge ist dieses Rezept für eine Knoblauchsuppe überliefert: In Wasser werden gut zwei Hände voll in Hälften geschnittener Knoblauchzehen gegeben und mit Butter und Salz recht lange gekocht, ehe die einer Fleischbrühe ähnliche Suppe mit Semmelbröckchen gegessen wird. (SIEG, 254)

Maulwürfe und Erdflöhe sollen Knoblauch meiden. (SCHRÖDTER, 25)

Es gibt in Deutschland auch einen Ort namens Knoblauch (PLZ 14715).